Story:

Die Polizei Aachen nimmt die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg an einer Protestaktion in Lützerath in Gewahrsam. Ihr kaum verstecktes Lächeln und die etwas gestellt anmutenden Bilder des Polizeieinsatzes sorgen in den sozialen Medien für teilweise heftige Reaktionen.

Einschätzung:

"Fake", wie viele User auf Twitter unterstellen, sind die Bilder keinesfalls - sie wurden ja nicht nachträglich gefälscht. Vielmehr scheinen sie inszeniert zu sein: Die Klima-Aktivist:innen verfügen über eine hervorragend geölte PR-Machinerie, um ihre Protagonist:innen ins Scheinwerferlicht zu rücken. Auf der anderen Seite wissen auch die Einsatzkräfte um die mediale Aufmerksamkeit, vermeidet daher - nach vorgängigen Gewaltszenen - einen konfrontativen Eindruck tunlichst und machen das Spiel daher insgesamt mit. Der PR-Stunt von beiden Seiten mündet in ungewohnten Bildern, die tatsächlich an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln lassen.

Beitrag vom 18. Januar 2023 auf Radio Energy

Story:

Die Bieler Finanzdirektorin Silvia Steidle gibt am Montag, 5. Dezember 2022 ihren Rücktritt bekannt, zu dem sie sich am vorangegangenen Samstag entschieden hat. Die kurz Zeitspanne übers Wochenende reicht ihr nicht aus, um alle Angehörigen ihrer Partei und des Gemeinderates von diesem Schritt in Kenntnis zu setzen. An der Medienorientierung übt sie harsche Kritik an der Bieler Exekutive.

Am folgenden Mittwoch verbreitet der Gemeinderat ein Communiqué, wonach er mit Silvia Steidle übereingekommen sei, ihre Aussagen zu ihrem Rücktritt nicht mehr weiter zu kommentieren. Daran hält er sich trotz gehäufter Medienanfragen auch.

Einschätzung:

Die Kommunikation von Silvia Steidle ist ungeschickt, weil sie die Regel "intern vor extern" verletzt, weil sie die politischen Akteure unnötig unter Druck setzt und weil sie schliesslich den Verdacht nährt, dass sowohl der Rücktritt als auch die dabtei geübte Kritik ausgesprochen impulsiv erfolgt sind.

Den Entscheid des Bieler Gemeinderates gilt es wohl zu respektieren. Aus kommunikativer Sicht ist er indessen ungelenk, weil er Spekulationen Raum bietet und Fragen offen lässt. Die wohl brennendste dürfte sein, wie es - nach den öffentlichen Anfechtungen - zur Übereinkunft gekommen ist und wer dafür seine Position verlassen hat. Dieses Vakuum schadet der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen gegenüber der Bieler Classe politique.

Beitrag vom 8. Dezember 2022 auf TeleBielingue (ab 03:10)

Story:

Die Klima-Aktivisten von Renovate Switzerland setzen ihre Blockaden fort, am Samstag legen sie den Verkehr auf der Berner Lorraine-Brücke lahm. TeleBärn fragt den Kommunikationsexperten Stefan Herrmann, ob derartige Aktionen dem Ziel dienlich oder eher kontraproduktiv sind.

Einschätzung:

Zwar erreichen die Aktivisten ihre Ziele, Aufmerksamkeit zu erregen und in einer - dichten - medialen Berichterstattung ihre Botschaften, Forderungen und Motive zu transportieren. Trotzdem gelingt die Überzeugungsarbeit nicht, weil sich die Diskussion in der Öffentlichkeit eher um die Legalität des zivilen Ungehorsams denn um die Klimapolitik dreht und weil das Ultimatum für den Bundesrat erpresserischen und undemokratischen Charakter hat. Somit bestht ein grosses Risiko, dass die Aktionen der gemässigten Klimabewegung einen Bärendienst erweisen.

Beitrag vom 30. Oktober 2022 auf TeleBärn

Story:

Die Luzerner Polizei fährt eine Kampagne unter dem Motto «117 Prozent Du», um neue Polizistinnen und Polizisten anzuwerben. Diese sieht sich allerdings der heftigen Kritik (namentlich aus dem linksautonomen Lager) ausgesetzt, dass die gezeigten Bilder ein falsches und einseitiges Bild der Polizeiarbeit vermitteln.

Einschätzung:

Die Kritik an Bildsprache und Tonalitätist ist berechtigt: Die vier Bilder sind ausnahmslos im Umfeld von Krisenintervention und Blaulicht angesiedelt, auch der Slogan "mittendrin, präsent, fokussiert und standfest" wirkt rabiat. Bilder etwa aus dem Verkehrsunterricht mit Kindern oder dem Ordnungsdienst im Verkehr hätten dazu beigetragen, auch die "mitfühlende, besonnene Art" der Polizeiarbeit zu zeigen, wie sich das die kritisierende Gruppierung in ihrem Communiqué wünscht.

Beitrag vom 26. Oktober 2022 auf Radio Energy Luzern

Story:

Mit einer ganzen Reihe von Sitzblockaden stören die Klima-Aktivisten von Renovate Switerzland über mehrere Tage den Verkehr in verschiedenen Schweizer Städten. Die Gruppe fordert vom Bundesrat, in kurzer Zeit ein Programm zum Verhindern der Klimakrise zu entwerfen.

Einschätzung:

Renovate Switzerland mag das selbst gesteckte Ziel, zu Aufmerksamkeit zu gelangen, erreicht haben. Dank der aufwändigen Aufarbeitung der Publikumsmedien ist es den Aktivisten zudem gelungen, ihre Botschaften und Forderungen dort auch unterzubringen.

Das allerdings zu einem hohen Preis: Das Mittel des zivilen Ungehorsams provoziert Publikum und Politik gleichermassen und schafft so ein hohes Mass von Aversion. Diese wird dadurch verstärkt, dass die offensichtliche Erpressung des Bundesrates in einer Demokratie auf Unverständnis stossen muss. Schliesslich erweisen die Blockaden der gemässigten Klimabewegung genau dadurch einen Bärendienst.

Beitrag vom 20. Oktober 2022 auf Radio Energy

Story:

Unter einem Facebook-Post von Nationalrat Andreas Glarner duellieren sich der SVP-Grossrat Korab Rashiti und der Sozialdemokrat Raphael Racine: Rashiti deutet mit der Aussage "jetzt fehlt euch nur noch ein Schnurrbart" einen Hitler-Vergleich an. Für Racine ist damit eine Grenze überschritten, er fordert den Rücktritt seines Gegenspielers.

Einschätzung:

Vorweg handelt es sich bei dieser vermeintlichen "Geschichte" um eine Posse, in der die Protagonisten die Klaviatur der Provokation und des entsetzten Aufschreis zu spielen verstehen. Der politische Diskurs in den Sozialen Medien ist nicht nur provokativer, sondern auch gekonnter geworden: Rashiti triggert die Reaktion, ohne juristische Angriffsfläche zu bieten, Racine Aussage "Ich hoffe, dass die Medien bald Wind bekommen..." bleibt, warum auch immer, nicht ungehört.

Beitrag vom 19. September 2022 auf TeleBärn

Story:

Der Tabakpräventionsfonds präsentiert "Free. Fair. Future.", eine Kampagne, die einen "Paradigmenwechsel in der Tabak- und Nikotinprävention bei Kindern und Jugendlichen" herbeiführen soll.

Einschätzung:

Der Ansatz der Kampagne gefällt, sie bezieht Evidenz in die Prävention ein, will einen partizipativen Ansatz verwenden, Programmpartner einbeziehen und neue Zielgruppenprofile definieren.

Beitrag vom 13. Juni 2022 auf TeleBärn

Communiqué zur Kampagne

Story:

Purpose Marketing ist derzeit im Schwange, und so darf es nicht erstaunen, dass zahlreiche Unternehmen den eben angelaufenen Pride Month nutzen, um ihr Marketing mit der Regenbogenfahne und Botschaften rund um Lgtbq+ anzureichern. Dies nicht immer zur Freude der User und insbesondere der Community, die sich unfreiwillig kommerzialisiert sehen.

Einschätzung:

Diese Form von Marketing und Kommunikation ist tatsächlich heikel, sie kann gerne in negatives Virtue Signalling umschlagen, so kontraproduktiv wirken und einen Reputationsschaden verursachen. Entscheidend ist also, dass der Auftritt eines Unternehmens glaubwürdig ist, weil sich dahinter ein wahrnehmbar grosses Engagement für Inklusion und Corporate Social Responsibility verbirgt.

Beitrag vom 10. Juni 2021 auf Radio Energy

Story:

Der Sänger Xavier Naidoo entschuldigt sich in einem Video-Statement für seine «verstörenden Äusserungen» und seine wirren Verschwörungstheorien über die Corona-Pandemie.

Einschätzung:

Inhaltlich ist das Video - abgesehen von einigen Unstimmigkeiten - in Ordnung: Naidoo zeigt sich einsichtig, reumütig und besserungswillig. Allerdings wirken sowohl der Zeitpunkt als auch der Ursprung der Einsicht (im Ausbruch des Krieges in Usbekistan) wenig glaubhaft. Zudem geht dadurch, dass Naidoo eine dreiminütige (geschliffene) Rede vom Teleprompter abliest, die existenziell wichige Authentizität weitgehend verloren.

Session 1 in der Morgenshow vom 21. April 2022 auf Radio Energy

Session 2 in der Morgenshow vom 21. April 2022 auf Radio Energy

Session 3 in der Morgenshow vom 21. April 2022 auf Radio Energy

Das Video-Statement von Xavier Naidoo auf YouTube

Story:

Mit "Suisse Secrets" wirft das internationale Recherche-Netzwerk Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) der Credit Suisse vor, über Jahre umstrittene Machthaber und korrupte Beamte als Kunden gehabt haben. Die Bank weist die Vorwürfe zurück, werde die Untersuchungen aber mit einer internen Taskforce unter Einbeziehung spezialisierter externer Experten fortsetzen.

Einschätzung:

Die Enthüllungen, die in den Medien auch als "nächstes Debakel" bezeichnet werden, aber noch auf ihren Gehalt zu prüfen sind, wirken sich negativ auf Image und Reputation der CS aus. Ebenso schwer wiegt aber, dass der Abfluss von 18'000 Kontodaten und die abermalige Störung im selbst auferlegten "Jahr der Beruhigung" einen nachhaltigen Vertrauensverlust darstellen.

Beitrag vom 21. Februar 2022 auf TeleBärn

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