Story:
Die Klima-Aktivist:innen von Renovate Switzerland setzen ihre Blockaden fort, am Samstag legen sie den Verkehr auf der Berner Lorraine-Brücke lahm. TeleBärn fragt den Kommunikationsexperten Stefan Herrmann, ob derartige Aktionen dem Ziel dienlich oder eher kontraproduktiv sind.
Einschätzung:
Zwar erreichen die Aktivist:innen ihre Ziele, Aufmerksamkeit zu erregen und in einer - dichten - medialen Berichterstattung ihre Botschaften, Forderungen und Motive zu transportieren. Trotzdem gelingt die Überzeugungsarbeit nicht, weil sich die Diskussion in der Öffentlichkeit eher um die Legalität des zivilen Ungehorsams denn um die Klimapolitik dreht und weil das Ultimatum für den Bundesrat erpresserischen und undemokratischen Charakter hat. Somit besteht ein grosses Risiko, dass die Aktionen der gemässigten Klimabewegung einen Bärendienst erweisen.
Story:
Die Luzerner Polizei fährt eine Kampagne unter dem Motto «117 Prozent Du», um neue Polizistinnen und Polizisten anzuwerben. Diese sieht sich allerdings der heftigen Kritik (namentlich aus dem linksautonomen Lager) ausgesetzt, dass die gezeigten Bilder ein falsches und einseitiges Bild der Polizeiarbeit vermitteln.
Einschätzung:
Die Kritik an Bildsprache und Tonalitätist ist berechtigt: Die vier Bilder sind ausnahmslos im Umfeld von Krisenintervention und Blaulicht angesiedelt, auch der Slogan "mittendrin, präsent, fokussiert und standfest" wirkt rabiat. Bilder etwa aus dem Verkehrsunterricht mit Kindern oder dem Ordnungsdienst im Verkehr hätten dazu beigetragen, auch die "mitfühlende, besonnene Art" der Polizeiarbeit zu zeigen, wie sich das die kritisierende Gruppierung in ihrem Communiqué wünscht.
Story:
Mit einer ganzen Reihe von Sitzblockaden stören die Klima-Aktivist:innen von Renovate Switerzland über mehrere Tage den Verkehr in verschiedenen Schweizer Städten. Die Gruppe fordert vom Bundesrat, in kurzer Zeit ein Programm zum Verhindern der Klimakrise zu entwerfen.
Einschätzung:
Renovate Switzerland mag das selbst gesteckte Ziel, zu Aufmerksamkeit zu gelangen, erreicht haben. Dank der aufwändigen Aufarbeitung der Publikumsmedien ist es den Aktivist:innen zudem gelungen, ihre Botschaften und Forderungen dort auch unterzubringen.
Das allerdings zu einem hohen Preis: Das Mittel des zivilen Ungehorsams provoziert Publikum und Politik gleichermassen und schafft so ein hohes Mass von Aversion. Diese wird dadurch verstärkt, dass die offensichtliche Erpressung des Bundesrates in einer Demokratie auf Unverständnis stossen muss. Schliesslich erweisen die Blockaden der gemässigten Klimabewegung genau dadurch einen Bärendienst.
Story:
Unter einem Facebook-Post von Nationalrat Andreas Glarner duellieren sich der SVP-Grossrat Korab Rashiti und der Sozialdemokrat Raphael Racine: Rashiti deutet mit der Aussage "jetzt fehlt euch nur noch ein Schnurrbart" einen Hitler-Vergleich an. Für Racine ist damit eine Grenze überschritten, er fordert den Rücktritt seines Gegenspielers.
Einschätzung:
Vorweg handelt es sich bei dieser vermeintlichen "Geschichte" um eine Posse, in der die Protagonisten die Klaviatur der Provokation und des entsetzten Aufschreis zu spielen verstehen. Der politische Diskurs in den Sozialen Medien ist nicht nur provokativer, sondern auch gekonnter geworden: Rashiti triggert die Reaktion, ohne juristische Angriffsfläche zu bieten, Racine Aussage "Ich hoffe, dass die Medien bald Wind bekommen..." bleibt, warum auch immer, nicht ungehört.
Story:
Der Tabakpräventionsfonds präsentiert "Free. Fair. Future.", eine Kampagne, die einen "Paradigmenwechsel in der Tabak- und Nikotinprävention bei Kindern und Jugendlichen" herbeiführen soll.
Einschätzung:
Der Ansatz der Kampagne gefällt, sie bezieht Evidenz in die Prävention ein, will einen partizipativen Ansatz verwenden, Programmpartner einbeziehen und neue Zielgruppenprofile definieren.
Story:
Purpose Marketing ist derzeit im Schwange, und so darf es nicht erstaunen, dass zahlreiche Unternehmen den eben angelaufenen Pride Month nutzen, um ihr Marketing mit der Regenbogenfahne und Botschaften rund um Lgtbq+ anzureichern. Dies nicht immer zur Freude der User und insbesondere der Community, die sich unfreiwillig kommerzialisiert sehen.
Einschätzung:
Diese Form von Marketing und Kommunikation ist tatsächlich heikel, sie kann gerne in negatives Virtue Signalling umschlagen, so kontraproduktiv wirken und einen Reputationsschaden verursachen. Entscheidend ist also, dass der Auftritt eines Unternehmens glaubwürdig ist, weil sich dahinter ein wahrnehmbar grosses Engagement für Inklusion und Corporate Social Responsibility verbirgt.
Story:
Der Sänger Xavier Naidoo entschuldigt sich in einem Video-Statement für seine «verstörenden Äusserungen» und seine wirren Verschwörungstheorien über die Corona-Pandemie.
Einschätzung:
Inhaltlich ist das Video - abgesehen von einigen Unstimmigkeiten - in Ordnung: Naidoo zeigt sich einsichtig, reumütig und besserungswillig. Allerdings wirken sowohl der Zeitpunkt als auch der Ursprung der Einsicht (im Ausbruch des Krieges in Usbekistan) wenig glaubhaft. Zudem geht dadurch, dass Naidoo eine dreiminütige (geschliffene) Rede vom Teleprompter abliest, die existenziell wichige Authentizität weitgehend verloren.
Session 1 in der Morgenshow vom 21. April 2022 auf Radio Energy
Session 2 in der Morgenshow vom 21. April 2022 auf Radio Energy
Session 3 in der Morgenshow vom 21. April 2022 auf Radio Energy
Story:
Mit "Suisse Secrets" wirft das internationale Recherche-Netzwerk Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) der Credit Suisse vor, über Jahre umstrittene Machthaber und korrupte Beamte als Kunden gehabt zu haben. Die Bank weist die Vorwürfe zurück, werde die Untersuchungen aber mit einer internen Taskforce unter Einbeziehung spezialisierter externer Experten fortsetzen.
Einschätzung:
Die Enthüllungen, die in den Medien auch als "nächstes Debakel" bezeichnet werden, aber noch auf ihren Gehalt zu prüfen sind, wirken sich negativ auf Image und Reputation der CS aus. Ebenso schwer wiegt aber, dass der Abfluss von 18'000 Kontodaten und die abermalige Störung im selbst auferlegten "Jahr der Beruhigung" einen nachhaltigen Vertrauensverlust darstellen.
Story:
In der Ausstellung "Gezeichnet" im Berner Museum für Kommunikation zeigen 50 Schweizer Karikaturistinnen und Cartoonisten gemeinsam ihre 200 wichtigsten Pressezeichnungen.
Einschätzung:
Zu Karikaturen und Cartoons hat es im Gespräch mit VJ Simon Schär tatsächlich eine ganze Menge zu sagen gegeben. Der Schere des Cutters schlussendlich nicht zum Opfer gefallen ist die Aussage, dass Karikaturen immer kommentierend-kritisch sind und dass sie diese Kritik mit Ästhetik und Intelligenz verbinden.
Story:
Der Weihnachtsspot der Migros zeigt Robin, eine "liebenswürdige Lieferdrohne", die an Menschlichkeit erinnern soll. "Lassen wir niemanden alleine" ist laut Mitteilung des Grossverteilers mehr als eine Werbebotschaft – es ist eine Mission.
Einschätzung:
Die Figur ist gut gewählt, weil die kleine Drohne weder Herz noch Seele hat, und doch einen grossen Charakter ausstrahlt. So ist sie ein gutes Aushängeschild für eine ganze Weihnachtskampagne, in der sich die Migros für mehr Miteinander engagiert.