Experte TeleBärn | 17.09.2026

Klimademos nach Hitzesommer

Story:

Der Hitzesommer 2026 ist nachvollziehbarerweise Wasser auf die Mühlen der zuletzt aus der Agenda verdrängten Klimabewegung: Für die zweite Hälfte September 2026 rufen rund 170 Organisationen dazu auf, in der ganzen Schweiz unter dem Motto «Keine 50-Grad-Sommer» für mehr Engagement gegen die Klimaerwärmung auf die Strasse zu gehen. Die Redaktion von TeleBärn wendet sich an den Kommunikationsexperten, um von ihm zu erfahren, ob die breite Koalition dazu beitragen kann, den Klimaschutz aus der klassischen «Klimabewegung-Bubble» herauszutragen.


Einschätzung:

Tatsächlich ist es rund um die Klimabewegung ruhig geworden, seit sie im September 2019 mit dem Klimastreik ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat: Corona und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben das Thema von der gesellschaftlichen Agenda verdrängt.

Nach Ansicht des Kommunikationsexperten haben sich in dieser Zeit auch die Bewegung und ihre Kommunikation verändert: 2028/19 waren insbesondere noch Gymnasiastinnen, Gymnasiasten und Studierende mit einer «Grassroots-Bewegung» die Treiber hinter den Aktionen, die Forderungen waren globaler und langfristiger Natur («Netto-Null bis 2030») und das Auftreten frech bis respektlos («Klima-Kleber»).

Die neue Bewegung ist durch das Engagement der Koalition eher Top-Down aufgesetzt (alleine WWF und Greenpeace bringen 300'000 Spenderinnen und Spender zusammen), konzilianter im Auftritt und insbesondere verhaltener in den Forderungen: Etwa eine Wasserstrategie, Notfallpläne, Hitzeaktionspläne und Massnahmen zur Abkühlung in Städten sind Mittel, die vor Ort in der Schweiz, kurzfristig und vom Bundesrat (der dafür in die Pflicht genommen werden soll) initiiert werden können.

Zusammen mit der der direkten und plakativen Erlebbarkeit des Hitzesommers (etwa bei Bauleuten oder in der Landwirtschaft) erzeugt das in der Öffentlichkeit eine wesentlich grössere Sympathie. Sie könnte gerade Teile des Publikums erreichen, die bisher gegenüber Klimafragen neutral eingestellt waren, sich jetzt aber mobilisieren und politisch motivieren lassen. 2027 sind Parlamentswahlen, für welche die grünen Parteien nun dank der Klimademos wieder Schwung aufzunehmen hoffen.


Beitrag vom 17. September auf TeleBärn

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